Fr, der 18. Mai 2012, 19:18

Bericht

Mi, 19. Oktober 2011, 09:56

"Ein bisschen Zeit kostet das Studium..." Annika Schmitz studiert seit einiger Zeit Englisch an der RWTH Aachen - als Schülerin der Jahrgangsstufe 12 des HGG. Ihre Erfahrungen mit dieser außergewöhnlichen Möglichkeit des Studierens vor dem Abitur schildert dieser Bericht.

Schon komisch irgendwie. Studieren und trotzdem noch zur Schule zu gehen. Soll man nicht glauben, gibt es aber. Gibt es sogar gar nicht so selten. So um die 1000 Leute in Deutschland, hab? ich mal gelesen. Und als ich das erste Mal etwas darüber gelesen habe, wollte ich auch mal sehen, wie es so in der Uni zugeht. Kann schließlich kaum schaden.
Mit etwas Herumtelefonieren bin ich dann zur RWTH Aachen gelangt und habe mich beraten lassen, und so kam ich zu Englisch auf Lehramt. Als ich in die 10. Klasse gekommen bin, habe ich nach den Herbstferien angefangen Anglistik zu studieren. Richtig zu studieren. Nicht mit anderen Schülern, sondern mit den normalen Studenten ? heute: mit Freunden.
Ich bin jetzt in der 12. Klasse, im fünften Semester. Okay. Ich gebe zu, ein bisschen Zeit kostet das Studium schon und ich nehme auch nicht an allen Veranstaltungen teil, die meine Kommilitonen besuchen, weil es einfach zu viel würde. Aber meistens ist die Zeit, in der Woche viereinhalb Stunden, gut investiert. Und genügend Ferien haben wir auch? so ungefähr die Hälfte des Jahres. Dann will Schüler Student sein. Denn manchmal gehen meine Ferien für die Uni drauf. Meine normale Freizeit aber eigentlich kaum und das meiste hat einen Spaßfaktor. Ich lerne genauso viel wie alle anderen Schüler, spiele Tennis und Tischtennis, bin andauernd bei Freunden und am Wochenende bin ich Feiern.
Die Uni. Ganz ohne meine Eltern ginge es nicht, denn ohne Führerschein kommt man heute nicht so weit, gut, dass sie mich unterstützen. Was aber mein Lernen angeht, wissen sie nicht, was ich in der Uni tue, weil das Lernen mir selbst überlassen bleibt.
Was den späteren Beruf angeht, das Studium bindet mich nicht, es hilft mir, mich zu entscheiden. Lehrerin will ich nicht werden? Ärztin, Ingenieurin oder Journalistin schwebt mir vor.
Und wie sieht das mit der Akzeptanz aus? Am Anfang sind viele skeptisch gewesen, meine Lehrer, meine Mitschüler, die Uni. Aber es hat geklappt. Die Studenten wussten nichts von ?der Ausnahme? und ich war und bin, auch wenn sie heute mehr wissen, eine von ihnen. Die Leute aus meiner Stufe ? manche halten mich immer noch für sehr schlau. Aber die meisten kennen mich und ich komme mit allen sehr gut aus. Und meine Freunde, für die bin ich keine Studentin, für sie bin ich einfach ich.
Die Uni ist genau wie Schule ein Ort, um Menschen zu treffen. Ich wollte ihn nicht missen.
Und alle, die was darüber wissen wollen, können gerne mit mir sprechen. Es gibt nämlich viele, vor allem lustige, Dinge zu erzählen, zum Beispiel von den Leuten, die in den letzten Jahren bei uns an der Schule Abi gemacht haben.

Annika Schmitz
Schülerin der Jahrgangsstufe 12

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