Schulgottesdienst
Mi, 09. November 2011, 11:06Morgen haben wir in der 2. Stunde Schulmesse! Super, dann fällt ja Reli aus!
Im sechswöchigen Rhythmus finden am HGG für jede Jahrgangsstufe gesondert ausgerichtete Gottesdienste Eucharistiefeiern mit Unterstützung der Spiritaner im Hause im Wechsel mit Wortgottesdiensten mit überschaubaren Schülergruppen ca. zwei Klassenstärken statt, dazu besondere Gottesdienste für mehrere Jahrgangsstufen, in der Regel 5-7 und 8-13, in der Adventszeit, zum Beginn der Fastenzeit und zum Schuljahresende, am Reformationstag und am Buß- und Bettag, ein Einschulungsgottesdienst für die neuen Sextaner, ein Entlassgottesdienst für die Abiturienten sowie Gottesdienste zu besonderen Gelegenheiten. Nach Bedarf werden die Gottesdienste dankenswerterweise von den Kollegen der Fachschaft Musik instrumental begleitet.

Gelegenheit macht aber noch kein Engagement aller Beteiligten.
Deswegen werden die Schulgottesdienste stets gemeinsam mit einer Klasse der entsprechenden Jahrgangsstufe vorbereitet, auch wenn die Motivierbarkeit der einzelnen Klassen hierzu recht unterschiedlich ist, und die Vorbereitung des ein oder anderen Gottesdienstes eine doch recht aufwendige Unternehmung darstellt.
Ein zum Schulhalbjahresbeginn erstellter Plan sichert die gleichmäßige Berücksichtigung aller Klassen/Kurse im Laufe eines Schuljahres. Die gottesdienstlichen Themen ergeben sich aus dem Religionsunterricht, aus dem aktuellen Zeitgeschehen, aus

besonderen Anliegen der Schüler oder den vorgegebenen Tagesmessplänen im Kirchenjahr. Dazu werden Texte biblisch und profan, selbsterstellt oder vorgefertigt und Musik Lieder aus unseren schuleigenen Liederbüchern oder von thematisch passenden Musikkonserven im Religionsunterricht gesichtet und gehört, ausgewählt und zusammengestellt. Natürlich ergeben sich für den Bereich einer Eucharistiefeier einmal weniger, für den Wortgottesdienstbereich oder andere religiöse Feierformen einmal mehr formale Gestaltungsmöglichkeiten. Immer jedoch sind die Schüler auch an der Durchführung 'ihrer' Gottesdienste beteiligt. Dabei wird besonders darauf geachtet, dass die Deutung und Kommentierung des biblischen Wortes nicht moralisierend belehrende, sondern ermutigende und befreiende Wirkung haben und gesellschaftlichen Fehlentwicklungen eine lebenswerte und sinnvolle Alternative korrektiv gegenüberstellen. Gerade angesichts der Lebenswelt Jugendlicher ist es wichtig, diesen dynamischen und lebensbejahenden Charakter der Frohen Botschaft zu verdeutlichen.
Ein so verstandener Gottesdienst bietet den Schülern auch am 'Standort Schule' eine unbelastete Gemeinschaftserfahrung von Religion. Er hilft, den eigenen weltanschaulichen Standort zu finden, und trägt mit dazu bei, dass sich die/der Eine oder Andere von ihnen auch geistig 'zu Hause' fühlt und fernab von Leistung und Notendruck zu Gott und zu sich kommen kann, weil Gott schon zu ihr/ihm gekommen ist.
Damit die Bemühungen um den Schulgottesdienst an unserer Schule fruchten, bedarf es natürlich einer breiten religiösen Grundlegung im Gesamt des Beziehungsgefüges zwischen Schülern, Lehrern und Eltern. Der Religionsunterricht am HGG leistet hierzu genauso wie zahlreiche andere Elemente des Schulprogramms seinen Beitrag, indem er mithilft wachzurufen und wach zu halten, was eine um christliche Orientierung bemühte Schulgemeinschaft an kommunikativen, kritischen und sinnstiftenden Impulsen und Zeichenhandlungen braucht.
In diesem Sinne ist in einer Gesellschaft, in der Gott faktisch so gut wie nicht mehr vorkommt, in der religiöse Distanz zum allgemein anerkannten Normalfall gerät, und in der die Teilnahme am 'Schulgottesdienst' bereits als kulturelle Verhaltensanomalie erscheinen mag, erst recht nicht mehr zu fragen, ob überhaupt noch, sondern höchstens immer wieder neu wie Liturgie gefeiert werden kann. Um eine ernsthafte Beantwortung dieser Frage bemühen wir uns am HGG.